Mainz, den 05.05.2026 – Der Mai ist Awarenessmonat für Eierstockkrebs. Aus diesem Anlass gibt das Institut für digitale Gesundheitsdaten einen Überblick über die aktuelle onkologische Situation in Rheinland-Pfalz.
Situation in Rheinland-Pfalz
Im Jahr 2024 wurde in Rheinland-Pfalz bei 400 Frauen Eierstockkrebs diagnostiziert. Im gleichen Zeitraum verstarben 255 Frauen an dieser Erkrankung. Die Inzidenz und Mortalitätsraten sind in Rheinland-Pfalz sowie in Deutschland insgesamt weitestgehend stabil (Abbildung 1).
Die relativ hohe Mortalitätsrate beruht vor allem darauf, dass Eierstockkrebs oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird, denn mehr als die Hälfte der Tumoren werden beim ersten Nachweis bereits den Stadien FIGO III und FIGO IV (Abbildung 2) festgestellt.
Eierstockkrebs gehört, wie viele Krebserkrankungen, zu den Erkrankung des Alters. Dementsprechend wurden die meisten Tumoren im Jahr 2024 bei Frauen der Altersgruppe von 60-64 Jahren diagnostiziert (Abbildung 3).
Vorsorge, Diagnose und Therapie
Das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter. Ein weiterer Risikofaktor ist eine familiäre Vorbelastung – insbesondere, wenn Angehörige an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind. Besteht der Verdacht auf eine genetische Disposition, wird eine genetische Beratung empfohlen (1). Eierstockkrebs wird meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Dies liegt daran, dass die Tumore in der Regel erst in diesen Stadien Symptome wie Schmerzen oder Druckgefühle verursachen. Da die Tumore zunächst sehr klein und schwer nachweisbar sind, gibt es bisher kein gesetzlich vorgeschriebenes Früherkennungsprogramm. Bisher konnten weder der Nutzen von jährlichen Ultraschalluntersuchungen noch von regelmäßigen Bestimmungen von Tumormarkern im Blut nachgewiesen werden. Als einzige zuverlässige Methode zeigt sich bisher die Tastuntersuchung im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge (2). Zudem sollten Frauen bei den folgenden Symptomen eine ärztliche Untersuchung vornehmen lassen:
- Schmerzen oder andere Beschwerden in Bauchraum
- Verdauungsbeschwerden, Völlegefühlt und Blähungen
- Unerklärliche Zunahme des Bauchumfangs (zum Teil ohne Gewichtszunahme)
- Häufigerer Harndrang als üblich
- Blutungen außerhalb der Regelblutung oder nach den Wechseljahren
Diese Symptome können andere Ursachen haben, sollten aber abgeklärt werden, wenn sie länger anhalten (3).
Besteht der Verdacht auf Eierstockkrebs, so werden in der Regel zunächst bildgebende Verfahren wie ein CT durchgeführt und im nächsten Schritt mehrere Gewebeproben im Rahmen einer Bauchspiegelung entnommen (4). Die Behandlung erfolgt in der Regel operativ. Zudem erfolgen Systemtherapien, die neben einer Chemotherapie auch zielgerichtete und Immuntherapien umfassen können. Diese Systemtherapien starten zum Teil bereits vor der Operation und werden danach fortgeführt oder es erfolgt zuerst eine Operation, an die sich die Systemtherapie anschließt. Strahlentherapien gehören bei Eierstockkrebs nicht zu den gängigen Therapien.
STIC-Register zur Verbesserung von Früherkennung und Versorgung
Serös tubare intraepitheliale Karzinome (STIC) gelten als potenzielle Vorläuferläsionen von Eierstockkrebs sowie weiteren bösartigen Beckentumoren der Frau. Sie befinden sich meist in den Eileitern und werden häufig im Rahmen risikoreduzierender Operationen entdeckt. Aufgrund ihrer Seltenheit – in Deutschland werden jährlich schätzungsweise nur rund 100 STIC-Fälle diagnostiziert – fehlt bislang eine belastbare Datengrundlage zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge.
Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde vom Institut für digitale Gesundheitsdaten gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz ein deutschlandweites STIC-Register aufgebaut (5). Die strukturierte Datenerfassung hat bereits begonnen. Erfasst und ausgewertet werden epidemiologische und klinische Informationen von Patientinnen mit STIC-Erkrankungen. Ziel ist es, evidenzbasierte diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu entwickeln, Risikofaktoren zu identifizieren und langfristig die Versorgung der Patientinnen zu verbessern. Weitere Informationen hier: STIC-Register: IDG RLP
Das Institut für digitale Gesundheitsdaten RLP
Das Institut für digitale Gesundheitsdaten schafft digitale, interoperable und qualitätsgesicherte Prozesse und Systeme. Mit diesen erhebt, verarbeitet, analysiert und visualisiert es Daten und verknüpft diese, um nutzbares Wissen zu generieren. Das IDG stellt notwendige Daten, Werkzeuge und Informationen bereit, um auch andere bei der Verbesserung der Gesundheit jedes Einzelnen zu unterstützen. Dafür arbeiten rund 90 engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng zusammen. Das IDG hat langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Patientendaten und deren gesellschaftlicher Nutzung.
Das Krebsregister RLP im Institut für digitale Gesundheitsdaten
Der Geschäftsbereich Krebsregister RLP erfasst seit 2016 flächendeckend stationäre und ambulante Patientendaten zu Auftreten, Behandlung und Verlauf von Tumorerkrankungen. Jährlich übermitteln die onkologisch tätigen Einrichtungen etwa 450.000 Meldungen an das Krebsregister RLP, die dort qualitätsgesichert aufbereitet und ausgewertet werden. Inzwischen liegen Daten zu nahezu 1.000.000 Menschen mit Krebserkrankungen vor. Das oberste Ziel des Krebsregisters ist es, die onkologische Versorgung für Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz zu verbessern.
Referenzen:
(5) https://stic-register.idg-rlp.de/


