Krebsregisterdaten zeigen in RLP eine höhere Erfüllung von Qualitätsindikatoren in DKG-zertifizierten Zentren

Direkter Vergleich des Erfüllungsgrads von Qualitätsindikatoren zwischen DKG-zertifizierten Zentren und nicht-zertifizierten Einrichtungen.

Abb. 1: Vergleich von Qualitätsindikatoren zwischen DKG-zertifizierten Zentren und nicht-zertifizierten Einrichtungen

Mainz, den 8. Juli 2024 – Leitlinien sind systematisch entwickelte Handlungsempfehlungen, die bei der Entscheidungsfindung über die angemessene Behandlung einer Krankheit unterstützen – es werden also Vorgaben und Empfehlungen zur Behandlung für Patientinnen und Patienten zusammengestellt. Auch für den Bereich der onkologischen Versorgung gelten einige Leitlinien. Um zu prüfen, ob in Einrichtungen eine leitliniengerechte Behandlung stattfindet, können sogenannte Qualitätsindikatoren zur Abschätzung der Einhaltung von Vorgaben der S3-Leitlinien herangezogen werden. Die Berechnung von Qualitätsindikatoren erfolgt in der Regel im Rahmen der Zertifizierung von Zentren durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), aber auch einige Krebsregister stellen Auswertungen zur Einhaltung der Qualitätsindikatoren den jeweiligen onkologisch tätigen Einrichtungen zur Verfügung, die Meldungen an das Krebsregister übermitteln.

Erstmalig wurde vom Krebsregister RLP im Institut für digitale Gesundheitsdaten, gemeinsam mit Frau Dr. Stefanie Schulz, Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie in Bad Kreuznach und Mitinhaberin einer onkologischen Praxis, ein direkter Vergleich des Erfüllungsgrads von Qualitätsindikatoren zwischen DKG-zertifizierten Zentren und nicht-zertifizierten Einrichtungen durchgeführt. Ziel war es zu prüfen, ob ein Unterschied bei der Einhaltung der Leitlinien je nach Einrichtungsart (zertifiziert und nicht-zertifiziert) besteht. Insgesamt wurden 14 Qualitätsindikatoren für Mamma-, kolorektale und Bronchialkarzinome, basierend auf den Daten des Krebsregisters im IDG, berechnet. Der Vergleich zeigte für alle untersuchten Qualitätsindikatoren eine höhere Erfüllungsquote für die DKG-zertifizierten Zentren (siehe Abbildung 1). Diese Auswertungen lassen vermuten, dass Behandlungen in zertifizierten Zentren leitlinienorientierter erfolgen als in nicht-zertifizierten Einrichtungen. Bei dieser Annahme ist allerdings zu beachten, dass die Erfüllungsquote bei neun der analysierten Qualitätsindikatoren auch bei den DKG-zertifizierten Einrichtungen unter 80% lag. Aus diesem Grund sollten alle onkologisch tätigen Einrichtungen diese Auswertungen zum Anlass nehmen, die Vollzähligkeit ihrer Meldungen an die Krebsregister zu überprüfen.

Frau PD Dr. Christina Justenhoven, Leiterin der Abteilung Datenauswertung und Reporting des Krebsregisters im IDG, erklärt: „Ein wichtiges Ziel der Krebsregistrierung liegt darin, die Versorgungs- und Behandlungsrealität in der Onkologie abzubilden und somit auch Verbesserungspotenziale aufzuzeigen. So kann stetig die Behandlung der Patientinnen und Patienten optimiert werden und Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal haben einen Entscheidungsgrundlage, wo die beste Behandlung möglich ist. Bei dem Vergleich, den wir jetzt vorgenommen haben, zeigt sich das sehr gut. Natürlich können unsere Auswertungen aber nur das abbilden, was uns als Meldung vorliegt. Je vollständiger und vollzähliger unsere Daten sind, umso belastbarer sind unsere Auswertungen – deshalb ist es umso wichtiger, dass alle onkologisch tätigen Einrichtungen ihrer gesetzlichen Meldepflicht nachkommen.“

Abbildung 1: Zusammengefasste Erfüllungsquoten von 6 Qualitätsindikatoren zum Mammakarzinom (ICD-10-GM C50), 5 Qualitätsindikatoren zum kolorektalen Karzinom (ICD-10-GM C18-20) und 3 Qualitätsindikatoren zum Bronchialkarzinom (ICD-10-GM C34) im direkten Vergleich zwischen DKG-zertifizierten Zentren und nicht-zertifizierten Einrichtungen.

Die Publikation erfolgte in „Das Gesundheitswesen“ unter dem Titel „Qualitätsindikatoren zeigen bessere Erfüllungsquoten in DKG-zertifizierten Zentren“ (DOI: 10.1055/a-2312-6116).

Das Institut für digitale Gesundheitsdaten RLP
Das Institut für digitale Gesundheitsdaten schafft digitale, interoperable und qualitätsgesicherte Prozesse und Systeme. Mit diesen erhebt, verarbeitet, analysiert und visualisiert es Daten und verknüpft diese, um nutzbares Wissen zu generieren. Das IDG stellt notwendige Daten, Werkzeuge und Informationen bereit, um auch andere bei der Verbesserung der Gesundheit jedes Einzelnen zu unterstützen. Dafür arbeiten rund 90 engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng zusammen. Das IDG hat langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Patientendaten und deren gesellschaftlicher Nutzung.

Das Krebsregister RLP im Institut für digitale Gesundheitsdaten
Der Geschäftsbereich Krebsregister RLP erfasst seit 2016 flächendeckend stationäre und ambulante Patientendaten zu Auftreten, Behandlung und Verlauf von Tumorerkrankungen. Jährlich übermitteln die onkologisch tätigen Einrichtungen etwa 450.000 Meldungen an das Krebsregister RLP, die dort qualitätsgesichert aufbereitet und ausgewertet werden. Inzwischen liegen Daten zu nahezu 1.000.000 Menschen mit Krebserkrankungen vor. Das oberste Ziel des Krebsregisters ist es, die onkologische Versorgung für Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz zu verbessern.