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Aktionsmonat April für Kopf-Hals-Tumoren: Diagnose oft in fortgeschrittenen Stadien, Rückgang der Neuerkrankungen bei Männern

Mainz, den 15.04.2026 – April ist Aktionsmonat für Kopf-Hals-Tumoren. In der nachfolgenden Information geben wir einen Überblick über die aktuelle onkologische Situation von Kopf-Hals-Tumoren in Rheinland-Pfalz.

 

Situation in Rheinland-Pfalz
Im Jahr 2024 wurde in Rheinland-Pfalz bei 213 Frauen und 429 Männern Kopf-Hals-Tumoren diagnostiziert. Im gleichen Zeitraum verstarben 73 Frauen und 164 Männer an dieser Erkrankung. Diese Zahlen zeigen, dass Männer deutlich häufiger an Kopf-Hals-Tumoren erkranken und versterben als Frauen. Erfreulicherweise zeigen insbesondere die Inzidenzraten bei Männern einen deutlichen Rückgang von Kopf-Hals-Tumoren (Abbildung 1). Für Frauen sind ebenfalls fallende Inzidenzraten zu beobachten, wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß (Abbildung 2). Die Mortalitätsraten sinken bei Männern leicht (Abbildung 1), bei Frauen bleiben sie etwa gleich (Abbildung 2).

Die Altersverteilung der Neuerkrankungen zeigt, dass die meisten Frauen und Männer in der Altersgruppe von 70 bis 74 erkranken (Abbildung 3). Kopf-Hals-Tumoren werden häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert (Abbildung 4).

Auswertungen zeigen eine hohe Behandlungsqualität von Kopf-Hals-Tumoren

Wichtig ist in jedem Fall, dass diese Tumoren nach Diagnose rasch behandelt werden. Zu diesem Thema hat das Krebsregister Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz Auswertungen erstellt und in der Zeitschrift FORUM veröffentlicht. Im Rahmen dieser Arbeit wurden zwei Versorgungsfaktoren entwickelt, die einen Einblick in die Behandlungsqualität der gesamten Gruppe der Kopf-Hals-Tumoren geben. Im Fokus standen zum einen der Zeitraum zwischen Diagnose und Operation und zum anderen zwischen Operation und Abschluss der nachfolgenden Therapie. Es zeigte sich sowohl für Rheinland-Pfalz als auch deutschlandweit, dass über 80% der Kopf-Hals-Tumoren innerhalb von 6 Wochen nach Diagnose operiert werden. Zudem wird in über 90% der Fälle die an die Operation anschließende Therapie innerhalb von 16 Wochen abgeschlossen. Diese Daten weisen auf eine hohe Behandlungsqualität von Kopf-Hals-Tumoren hin (1).

Tumoren und Therapie

Kopf-Hals-Tumoren umfassen eine sehr heterogene Gruppe an Tumoren. Ebenso unterschiedlich wie die Tumoren selbst sind auch die Behandlungsstrategien, die für jeden einzelnen Krankheitsfall von den Behandelnden genau abgestimmt werden. Die Therapien erfolgen meist multimodal, d.h. sie umfassen Kombinationen aus Operation, Bestrahlung, Chemo- und Immuntherapien. Fortschritte in der Behandlung erzielten in den letzten Jahren insbesondere die Einführung neuer Operationsverfahren wie die Laser-Mikrochirurgie und Roboter-assistierte Chirurgie. Hinzu kamen gewebsschonende Bestrahlungstechniken und die Zulassung von Medikamenten aus dem Bereich der Immuntherapie (2). 

Risikofaktoren

Das Risiko an Kopf-Hals-Tumoren zu erkranken, hängt stark mit dem Rauchverhalten und dem Konsum von Alkohol zusammen. Vier von fünf Patientinnen und Patienten mit Tumoren in der Mundhöhle rauchen. Insbesondere die Kombination von Rauchen und regelmäßigem Alkoholkonsum verstärkt das Erkrankungsrisiko deutlich. Als weitere Risikofaktoren wurden HPV-Infektionen und Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz beschrieben (3). Die deutlich höhere Erkrankungsrate bei Männern geht höchstwahrscheinlich unter anderem darauf zurück, dass mehr Männer rauchen als Frauen. Die fallenden Neuerkrankungsraten gehen vermutlich mit dem seit den 1980er Jahren zurückgehenden Anteil an Rauchern einher (4).

Symptome und Diagnostik

Tumoren im Kopf-Hals-Bereich machen sich oft durch Schwellungen bemerkbar. Diese können schmerzhaft, aber auch schmerzfrei sein. Je nach Lage können sie die Beweglichkeit der Zunge einschränken oder zu Schluckbeschwerden führen. Treten solche Symptome auf, wird dringend empfohlen, zeitnah eine Praxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder Kieferchirurgie aufzusuchen. Je nach Lage des Tumors erfolgt die erste Untersuchung durch Begutachten und Tasten. Liegt der Tumor in einem schwer einsehbaren Bereich, kann eine Untersuchung mittels Endoskopie, Ultraschall oder weiterer Bildgebung erfolgen. Zur Sicherung der Diagnose wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, die im Anschluss von einer pathologischen Einrichtung untersucht wird (5).

 

Das Institut für digitale Gesundheitsdaten RLP 
Das Institut für digitale Gesundheitsdaten schafft digitale, interoperable und qualitätsgesicherte Prozesse und Systeme. Mit diesen erhebt, verarbeitet, analysiert und visualisiert es Daten und verknüpft diese, um nutzbares Wissen zu generieren. Das IDG stellt notwendige Daten, Werkzeuge und Informationen bereit, um auch andere bei der Verbesserung der Gesundheit jedes Einzelnen zu unterstützen. Dafür arbeiten rund 90 engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng zusammen. Das IDG hat langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Patientendaten und deren gesellschaftlicher Nutzung.

Das Krebsregister RLP im Institut für digitale Gesundheitsdaten
Der Geschäftsbereich Krebsregister RLP erfasst seit 2016 flächendeckend stationäre und ambulante Patientendaten zu Auftreten, Behandlung und Verlauf von Tumorerkrankungen. Jährlich übermitteln die onkologisch tätigen Einrichtungen etwa 450.000 Meldungen an das Krebsregister RLP, die dort qualitätsgesichert aufbereitet und ausgewertet werden. Inzwischen liegen Daten zu nahezu 1.000.000 Menschen mit Krebserkrankungen vor. Das oberste Ziel des Krebsregisters ist es, die onkologische Versorgung für Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz zu verbessern.

 

Referenzen: 

  1. Becker et al. FORUM 2025 DOI:10.1007/s12312-025-01527-w
  2. www.onkopedia.com
  3. www.krebsgesellschaft.de
  4. www.bundesgesundheitsministerium.de
  5. www.krebsgesellschaft.de

Abbildung 1: Inzidenz- und Mortalitätsraten für Kopf-Hals-Tumoren (ICD-10-GM C00-C14) bei Männern in Rheinland-Pfalz und Deutschland im Zeitraum 2015-2024

Abbildung 2: Inzidenz- und Mortalitätsraten für Kopf-Hals-Tumoren (ICD-10-GM C00-C14) bei Frauen in Rheinland-Pfalz und Deutschland im Zeitraum 2015-2024

Abbildung 3: Altersverteilung bei Neuerkrankung von Kopf-Hals-Tumoren bei Frauen und Männern im Jahr 2024

Abbildung 4: Verteilung der UICC-Stadien von Kopf-Hals-Tumoren bei Diagnose.